Wer sich um diese Jahreszeit noch nie unwohl gefühlt hat, werfe den ersten Stein!

Es scheint fast unmöglich, sich nicht von den hellen Lichtern in der ganzen Stadt, dem guten Essen und der festlichen Musik in Dauerschleife verzaubern zu lassen, während wir versuchen, Samen der Liebe, Freude und Hoffnung für das kommende Jahr in unsere Herzen zu pflanzen.

Ich bin sicher, du hast schöne Erinnerungen an Weihnachten oder Silvester. Aber ich wette, es gibt auch nicht so positive.

Zu dieser Jahreszeit ist es ganz natürlich, dass wir auf unser Leben zurückblicken und alles, was wir bisher erreicht (oder nicht erreicht) haben, ins rechte Licht rücken. Wir schätzen uns selbst ein und entscheiden, ob wir „brav oder böse“ waren, während wir in langen Schlangen in überfüllten Einkaufszentren warten und uns Gedanken über Geschenke (oft für nicht so nette Menschen) machen, wozu wir keine große Lust haben.

Als ob das nicht schon genug wäre, werden wir in Zeiten wie diesen ständig an Dinge erinnert (wenn nicht sogar dazu befragt), die in uns schlummern oder auf die wir einfach keine Antworten haben, wie etwa der berühmte Fall des einen Verwandten, der immer nach unserem Liebesleben fragt. Das zwingt uns dazu, alles, was von unseren besten sozialen Fähigkeiten noch übrig ist, zu sammeln und uns, bereit oder nicht, auf das Schlachtfeld zu begeben – ich meine, den Esstisch.

Die Wahrheit ist, dass die Feiertage eine nicht so glamouröse Seite haben, anders als die Weihnachtswerbung und -filme uns suggerieren. Gefühle der Unzulänglichkeit und Unvollständigkeit brechen Rekorde in Gesprächen unter Freunden und Kollegen, und viele von uns fühlen sich von all dem angegriffen und überfordert.

Es ist eine zwiespältige Zeit mit vielen positiven Gefühlen wie Hoffnung, Liebe und Verbundenheit, aber auch mit chronischem Stress.

Es stimmt, das Ende des Jahres hat seine Schönheit, aber es kann uns auch mit schwierigen Gefühlen und Situationen überfluten. Das gilt besonders für diejenigen, die durch eine Zeit der Trauer gehen oder eine traumatische Situation verarbeiten, denn es kann ihre Lage noch verschlimmern. Ich hinterlasse hier all meine Liebe und Fürsorge. Euer Kampf wird anerkannt und ist gültig. Hier ist ein kleiner Leitfaden mit fünf Tipps, die dabei helfen sollen, diese manchmal chaotische Zeit zu überstehen und das Jahr 2023 sicher und gesund zu beginnen.

Tipp 1: Selbstanalyse

Mache eine Selbstanalyse (falls du das nicht schon mit Hilfe eines Psychologen getan hast) und finde heraus, was mögliche Auslöser sein können – ganz in Ruhe und mit Selbstmitgefühl. Du kannst die externen Variablen nicht kontrollieren, aber du entscheidest, wie du damit umgehst. „Wenn x passiert, wie könnte ich es angehen?“ Wenn mir zum Beispiel eine Frage gestellt wird, die ich für unangemessen halte, kann ich einfach sagen: „Ich glaube nicht, dass dies der richtige/angemessene Zeitpunkt ist, um darüber zu sprechen“ oder ich sage stilvoll und ehrlich: „Ich möchte dazu nichts sagen. Können wir das Thema wechseln?“ Wenn jemand nach deiner bescheidenen Bitte nicht einfühlsam und respektvoll genug sein kann, darfst du den Raum einfach verlassen (ja, wirklich!).

Tipp 2: Setze Prioritäten

Versuche nicht, jemand zu sein, der du nicht bist oder etwas zu zeigen, was du nicht fühlst. Mit anderen Worten: Versuche nicht, dich zu verbiegen, um anderen zu gefallen. Vor allem nicht, wenn es dir nicht gut geht. Das ist unfair gegenüber dir selbst. Anknüpfend an Tipp Nummer 1 solltest du dir überlegen, wie du dir die Situation so angenehm wie möglich machen kannst. Zieh ein Outfit an, in dem du dich wirklich wohlfühlst und iss das, was dir schmeckt. Wenn es im schlimmsten Fall zu unerträglich ist, zu einem Familientreffen oder einer Betriebsfeier zu gehen, dann zwing dich nicht dazu. Bedanke dich für die Einladung, aber erkläre, dass du im Moment eher Ruhe brauchst.

Die Feiertage können sehr anstrengend sein, und dies ist nicht die richtige Zeit, in der wir versuchen sollten, unsere Probleme um jeden Preis zu bewältigen. Vielleicht denkst du: „Oh, aber ‚Nein’ zu sagen, führt in solchen Situationen immer zu größeren Problemen“. Nun, vielleicht, aber nur in dysfunktionalen Umgebungen und Beziehungen. Gesunde Grenzen sind wichtig für unser Wohlbefinden.

Tipp 3: Isoliere dich nicht

Was du auch empfindest, mache es nicht allein durch und isoliere dich nicht, auch wenn du dich selbst als introvertiert betrachtest. Heutzutage gibt es viele Arten, sich mit jemandem verbunden zu fühlen, auch wenn es nicht physisch ist.

Bei all der emotionalen Überlastung, die diese Zeit mit sich bringen kann, ist der Versuch, alles allein zu bewältigen, das perfekte Rezept für Frustration. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Dampf abzulassen oder mit einer vertrauten Person zusammen zu sein den Dopaminspiegel erhöht und sich sehr positiv auf unsere psychische Gesundheit auswirkt. Das hilft uns, gesünder mit Schwierigkeiten umzugehen. Einen Ort zu haben, bei dem man sich sicher fühlt, um verletzlich zu sein – denn das sind wir schließlich alle –, ist von entscheidender Bedeutung. Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität. Versuche, denjenigen nahe zu sein, die dir das Gefühl geben, wenn schon nicht völlig verstanden, so doch zumindest willkommen zu sein (und dieser Tipp gilt für das ganze Jahr).

Extra-Tipp: Es könnte interessant sein, im Internet nach Gruppen von Menschen zu suchen, die deine Ansichten oder Gefühle teilen, oder sogar nach therapeutischen Gruppen in deiner Nähe. Die Suche nach Gemeinsamkeiten erhöht das Zugehörigkeitsgefühl und stärkt das Selbstwertgefühl erheblich.

Tipp 4: Lerne, wie du dich selbst beruhigst

Wir müssen über tatsächliche Angstkrisen sprechen. Es ist unangenehm, ich weiß, aber sie zu ignorieren, hilft uns überhaupt nicht.

Sollte sie eintreten, weißt du, was dir dabei hilft? Was beruhigt dich in solchen Momenten?

Es ist wichtig, dass du dir wenigstens drei Dinge merkst, die du tun kannst, um dich zu beruhigen. Was mir sehr hilft und was ich sehr empfehlen kann, ist, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren: entweder indem man sich mindestens zwei Minuten lang auf seinen Atem konzentriert (drei Sekunden einatmen, vier Sekunden halten und fünf Sekunden langsam ausatmen), oder indem man Dinge in seiner Umgebung mit den fünf Sinnen beschreibt, was als Erdungstechnik bekannt ist, z. B.: „Ich sehe einen blauen Stuhl, ich rieche Kaffee, ich höre Lachen“ und so weiter.

Gehe tief in dich hinein, um herauszufinden, was für dich sinnvoll ist und am besten funktioniert.

Tipp 5: Gestalte die Jahreszeit neu

Versuche schließlich, angenehme Dinge mit dieser Zeit zu verbinden, und erlaube dir langsam, aber sicher, neue Erinnerungen, Gefühle und sogar neue Traditionen mit deinen Lieben zu schaffen. Die Neugestaltung ist der Schlüssel zum Erfolg!

Das war's, Freunde! Ich hoffe, diese Tipps helfen dabei, die Feiertage gut zu überstehen. Denke daran: Sich um sich selbst und die eigene psychische Gesundheit zu kümmern, sollte man das ganze Jahr über tun!

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